Pressekonferenz: PiEr SH und DGHS alarmieren über steigende Nachfrage nach Sterbehilfe

Am Donnerstag, den 27.11.2025 sprach PiEr SH gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) im Haus der Bundespressekonferenz über die katastrophale Versorgunglage Post-Covid, Post-Vac und ME/CFS Betroffener, die in der Folge besonders bei Schwer- und Schwerstbetroffenen immer öfter dazu führt, dass sie sich ernsthaft mit dem Thema passive Sterbehilfe auseinandersetzen. Weiteres Kernthema war außerdem die andauernde Psychologisierung dieser Krankheitsbilder.

Robert Roßbuch, Präsident der DGHS, stellte einleitend fest, dass eine zunehmende Anzahl an ME/CFS Betroffenen, meist weiblich und jung, einen Antrag auf Vermittlung einer Suizidbegleitung stellen, was ihn sehr erschüttere. In den vergangenen zwölf Monaten seien acht solcher Einträge eingegangen, davon fünf von Frauen zwischen 24 und 29 Jahren.

Barbara von Eltz von PiEr SH fand daraufhin klare Worte: Es spiele sich eine humanitäre Katastrophe vor unserer Haustür ab, wenn junge Menschen keinen anderen Ausweg mehr sehen, als sich das Leben zu nehmen, denn eine geregelte medizinische Versorgung gebe es praktisch nicht für Schwerstbetroffene. Das bestätigten auch zahlreiche Video- und Sprachbotschaften der Gedanken Betroffener, die in Form eines Kurzfilms gezeigt wurden.

Untermauert wurde die Schilderung der Situation auch noch von Dr. Wolfgang Ries, Internist und seit einiger Zeit als einer der wenigen Ärzte überhaupt europaweit zu Hausbesuchen dieser Patient*innen unterwegs. Er veranschaulichte die aktuelle Versorgungslage mittels mehrere Fallbeispiel seiner Patient*innen, manche noch Kinder oder Jugendliche. Er zeigte eindrücklich, wie die von vielen erlebte Skepsis, Psychologisierung und Stigmatisierung seitens von Ärzten, Ämtern oder Gutachtern gerade in der Anfangsphase der Erkrankung oft dazu führe, dass PEM ignoriert werde und sich die Betroffenen in einer Abwärtsspirale immer weiter im Zustand verschlechtern. Sind die Patient*innen erstmal haus- oder bettgebunden, wird es für sie noch schwieriger, an Hilfe zu kommen. Viele Ärzte und Ärztinnen würden sich weigern, Rezepte auszustellen ohne Praxisbesuch.

PiEr SH fordert daher von der Bundesregierung neben bundesweiten Aufklärungskampagnen zu den Krankheitsbildern die engagierte Umsetzung der GBA-Richtlinien, ein flächendeckendes Angebot an spezialisierten Zentren sowie Hausbesuche bzw. Telemedizin für Schwerbetroffene. Die Gelder der kürzlich vorgestellten "Nationalen Dekade gegen Post-infektiöse Erkrankungen", die 500 Millionen Euro über einen 10-Jahres-Zeitraum für Forschung beinhaltet, sollen ausschließlich der biomedizinischen Forschung zugute kommen, die die bisher gewonnen Erkenntnisse der somatischen Krankheitsursache mit einbezieht. Ziel solle außerdem sein, durch Freigabe von Off-Label-Medikamenten als Kassenleistung und der prioritären Förderung von Medikamentenstudien möglichst schnell Therapieoptionen für die Betroffenen zur Verfügung zu stellen. Klar sei, Versorgung solle immer Vorrang vor Sterbehilfe haben, dennoch müsse die Bundesregierung auch bei der assistierten Selbsttötung Rechtsklarheit und Schutz vor Missbrauch schaffen, damit dieser Weg auch wirklich die letzte Option darstelle.

Weitere Details lassen sich dem Forderungspapier entnehmen.

Die Pressekonferenz wurde außerdem aufgezeichnet und kann inklusive der anschließenden Fragen der Journalisten auf YouTube abgerufen werden.

Die TAZ berichtete bereits über die Pressekonferenz in einem Bericht und einem Kommentar.

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