LiegendDemo 2026 in Flensburg mit vielen Teilnehmern
Die diesjährige LiegendDemo in Schleswig-Holstein fand am 9. Mai auf dem Nordermarkt in Flensburg statt und übertraf in Bezug auf die Teilnehmerzahl mit circa 150 Betroffenen, Angehörigen und Interessierten die Demo letztes Jahr in Husum deutlich. PiEr Schleswig-Holstein war auch diesmal mit einem Infostand dabei.
Prominente Lage sorgte für viel Aufmerksamkeit
Bundesweit haben zwischen dem 8. und 12. Mai 2026 sage und schreibe 42 Städte eine LiegendDemo veranstaltet, um auf die Krankheit ME/CFS aufmerksam zu machen. In Flensburg ging es am Samstag, 9. Mai um 13 Uhr bei bestem Wetter los. Durch die prominente Lage der Veranstaltung direkt an der Fußgängerzone haben neben den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch zahlreiche neugierige Passanten den Redebeiträgen gelauscht oder sind mit Beteiligten der Demo ins Gespräch gekommen.
Nach der Begrüßung und einer Einführung, warum es wichtig ist, sich für die über 650.000 Betroffenen auf die Straße zu legen, folgte ein Redebeitrag von der LiegendDemo-Aktivistin Josi, die ihre eigene Krankheitsgeschichte vorstellte, die immer noch unzureichende Versorgung in Schleswig-Holstein skizzierte und daraus ableitend Forderungen an die Politik stellte.
"Wir fordern nichts Unmögliches. Wir fordern das absolute Minimum."
Besonders die mangelhafte bis nicht vorhandene Versorgung von Schwerstbetroffenen wurde deutlich kritisiert. Zudem würden nach wie vor spezialisierte Ambulanzen, Medikamente und ausreichend geschultes Personal in Arztpraxen, Krankenhäusern und Behörden fehlen. Es müssten deutlich mehr Mittel für biomedizinische Forschung zur Verfügung gestellt sowie Zugang zu Off-Label-Medikamenten gewährt werden, solange es noch kein für ME/CFS zugelassenes Medikament gebe.
Es müsse eine bessere Aufklärung über die Krankheit und seine Folgen in Medizin, Schulen und Behörden erfolgen, auch um Patient*innen besser vor schädlichen Behandlungen zu schützen. Flächendeckende Kompetenzzentren und Hausbesuche für Schwerbetroffene seien in einem Flächenland wie Schleswig-Holstein unabdingbar, es benötige außerdem eine schnellere Anerkennung bei Pflegegrad und Grad der Behinderung.
Künstlerische Beiträge zu ME/CFS wechselten sich mit Betroffenenberichten ab
Weitere Programmpunkte umfassten die Rede des Vaters einer langjährig Betroffenen, die außerdem auch ein Kinderbuch zum Thema geschrieben hat, das vor Ort ausgestellt wurde (Weitere Infos bei @anne_in_the_dark), das Vortragen des Gedichts "Der Crash" von Malaika Nowski und das Vorspielen einer Audiomemo der Schwerstbetroffenen Anna Krumpas, die seit langer Zeit nicht nur mit Behörden zu kämpfen hat, sondern auch bereits mehrfach dem Tod sehr nahe war. Dies zeigte erneut auf, Betroffene sind nicht nur "erschöpft" - ME/CFS kann tödlich sein.
Genau darauf machte auch die folgende Schweigeminute aufmerksam, bei der denjenigen Menschen gedacht wurde, die aufgrund der katastrophalen Versorgungslage und der Schwere der Erkrankung nicht mehr am Leben sind. Anschließend wurde mit dem Song "Was wir wollen" des Still Loud Projects ein musikalischer Abschluss gefunden und Raum für Gespräche und Austausch gegeben.
PiEr SH bedankt sich bei den Organisatorinnen von @liegenddemo.sh, bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern und jeder Person, die sich für eine Spende an den Verein entschieden hat.
Mehrere große Medien berichteten über die Flensburger LiegendDemo, unter anderem der NDR, SHZ und Flensborg Avis.